Alarm im Kindergarten! Wenn der Dreikäsehoch die «Glocke» von Schiller nicht rückwärts zitieren kann, muss er in die Logopädie. Wenn er nach dem Besuch im Kunsthaus noch immer Manet für Monnet hält, kommt die Heilpädagogin zum Elterngespräch. Es scheint, als gäbe es zwischen Rorschach und Genf schon im Vorschulalter mehr Therapieplätze als Kinder.

So ist es verständlich, dass der Leistungsdruck wenigstens in der Freizeit eingedämmt werden muss. Deshalb hat eine Skischule im Grossraum St. Moritz das traditionelle Rennen zum Wochenabschluss gestrichen. Grund: Druck und Nervosität für die Kinder sind zu gross. Eltern mit Stoppuhr und Tabellen zur Leistungsdiagnostik am Pistenrand verderben das Klima. Wenn der Vater vor dem Rennen mehr Zeit im Wachskeller verbringt als sein Sohn die ganze Woche auf der Piste, ist die Balance nicht mehr gewährleistet. Die Skilehrer wollen nicht länger Pistenpsychologen spielen.

Sport ohne Resultate? Das hat auch den Schweizer Fussball-Verband inspiriert. In seinem Juniorenkonzept ist zu lesen: «Ranglisten im Kinderfussball sind überflüssig.» Aber macht man die Kinder wirklich glücklich, wenn man ihnen die Zeit im Riesenslalom vorenthält – oder beim Fussballmatch die Tore nicht zählt?

Nein! Diese Erkenntnis geht auf einen Augenschein auf dem Walliser Hochplateau Riederalp zurück. Das donnerstägliche Rennen war unter den Skischülern ab Montag das Hauptthema – im positiven Sinn. «Kommen wir im Fernsehen wie die Olympischen Spiele?», wollte der 4-jährige Filius des Schreibenden schon nach dem ersten Stemmbogen wissen. Mental war er für die Aufgabe bereit. Und taktisch wurde er von Skiakrobatik-Pionier Art Furrer himself eingestimmt: «So schnell fahre wie’s Bisiwätter und keis Tor uslah.»

Es hätte alles gestimmt. Doch leider war der Junior nach vier Tagen Unterricht noch nicht auf olympischem Niveau. Als er den Vater am Pistenrand entdeckte, stoppte er abrupt und strahlte übers ganze Gesicht. Während der Kunstpause wurde er von den drei später gestarteten Konkurrenten überholt. Trotz dem knapp entgangenen Tagessieg erhielt er an der Siegerehrung eine grosse goldene Medaille überreicht. Ein psychologisches Trauma und ein Nervenzusammenbruch blieben ihm erspart.