Das Verdikt war viel deutlicher als erwartet. Die Stimmbürger sind überzeugt, dass die Medien auch ohne staatliche Subventionen über die Runden kommen. Sie haben Vertrauen in die wirtschaftliche Kraft der Branche.

Wie recht die Stimmbürger mit dieser ökonomischen Einschätzung haben, wird das staunende Publikum in den kommenden Wochen erfahren. Dann nämlich publizieren die Medienhäuser ihre Jahresberichte von 2021. Die Zahlen werden gut bis glänzend sein. Allein die drei Marktleader TX Group, Ringier und CH Media werden für 2021 zusammen einen operativen Gewinn von über 300 Millionen Franken einfahren. Und auch viele kleinere Verlage werden erfreuliche Abschlüsse melden.

Dass die Branche ihre gesunden Bilanzen vor dem Urnengang möglichst unter dem Deckel zu halten versuchte und stattdessen von Krise redete, kann man ihr nicht übelnehmen. Abstimmungskampf ist nun mal Abstimmungskampf.

Das Nein zum Mediengesetz ist auch ein Ja zur Unabhängigkeit der Branche. Niemandem war so richtig wohl bei der Vorstellung, dass der Staat nun den Journalismus querfinanzieren sollte. Selbst Befürworter des Gesetzes machten hier Fragezeichen, und auch auf manchen Redaktionen fragten sich die verbliebenen kritischen Geister, wie vergiftet dieses Geschenk denn sein könnte.

Freunde, ihr schafft das auch ohne Staat, sagt nun das Stimmvolk zur Medienbranche. Es ist dies durchaus ein Vertrauensbeweis.