Autofahren ist derzeit eine kostspielige Angelegenheit. Wer sein Fahrzeug volltanken will, muss schon fast einen Kleinkredit aufnehmen. Der Liter Bleifrei schwankt zwischen 2.10 und 2.20. Eine Entspannung ist nicht in Sicht.

Als Grund für den historischen Preisanstieg muss der Ukraine-Konflikt herhalten (und die damit verbundene Erhöhung des Ölpreises). Doch diese Rechnung geht nicht auf. Nach Berichten über eine mögliche Freigabe von einer Million Barrel pro Tag aus den US-Ölreserven hat sich Rohöl deutlich verbilligt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI fiel um mehr als fünf Prozent und lag am frühen Donnerstagmorgen bei 102,20 Dollar.

An den Schweizer Tankstellen schlägt sich dies aber kaum nieder. Deshalb stehen Ölkonzerne im Verdacht, durch Absprachen die Preise künstlich hoch zu halten. In Deutschland hat der Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck das Bundeskartellamt um eine Prüfung der Situation gebeten.

In der Schweiz unterstellen bürgerliche Politiker dem Öl- und Benzin-Kartell, die TV-Bilder aus dem Kriegsgebiet als Vorwand zu nehmen, um den horrenden Preisanstieg an den Zapfsäulen zu rechtfertigen. Dabei werde weiterhin Benzin aus den Lagerbeständen verwendet, das schon vor Kriegsausbruch (zu den alten und tiefen Preisen) eingekauft worden sei.

Trotzdem rührt sich die Wettbewerbskommission (Weko) nicht. Wenn es Anzeichen für Preisabsprachen gäbe, würde sie diesen nachgehen, «aber wir haben keine Hinweise», heisst es.

Gegenüber 20 Minuten äussert sich Stefan Legge, Ökonom an der Universität St. Gallen. Er bestätigt, dass Tankstellen die Preise künstlich hoch halten. Plumpe Preisabsprachen gebe es zwar keine, aber Preismodelle seien sehr wohl üblich.

Stellt sich die Frage, wo der Unterschied zwischen Absprachen und (künstlichen) Modellen liegt?

Nimmt die Weko ihre Aufgabe ernst, prüft sie die Rechtslage ganz genau.