Die gebürtige Britin Sarah Springman ist eine in jeder Beziehung herausragende Persönlichkeit und gilt als eine der profiliertesten Forscherinnen Europas. Als Professorin für Geotechnik prägte sie die ETH Zürich in den vergangenen 25 Jahren entscheidend. Seit 2015 stand sie dem Bildungsinstitut als Rektorin vor. Nun zieht sie an die Universität Oxford weiter.

Die Meriten der Wahlschweizerin, die sich auch als Triathletin auf Weltklasse-Niveau bewegte, blieben Königin Elisabeth II. nicht verborgen. Die Monarchin beförderte Springman Anfang dieses Jahres in den Rang einer Dame Commander, was dem zweithöchsten Orden des britischen Königshauses entspricht. Damit ist Springman eine Adelige.

In Bern nahm man diesen Ritterinnenschlag mit Befremden zur Kenntnis. Wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet, schickte das Aussendepartement EDA einen Brief an die ETH. Darin teilt es mit, dass Abklärungen vorgenommen würden, ob Springman gegen Bundesrecht verstosse.

Grund ist eine Bestimmung, die so alt ist wie der Bundesstaat. Das sogenannte Ordensverbot besagt, dass Parlamentarier, Bundesrätinnen und Beamte keine Ehrungen von ausländischen Staaten erhalten dürfen. Deshalb hätte Springman die Auszeichnung erst im Februar – wenn sie nicht mehr für den Bund arbeitet – annehmen dürfen. Nach längerem Hin und Her einigte man sich auf eine salomonische Lösung. Springman darf den Titel behalten. Er gilt aber erst seit diesem Montag, dem 1. Februar 2022.

Bleiben die Fragen: Sind unsere Beamten unterbeschäftigt? Und ist die Schweizer Neidkultur schon derart etabliert, dass man nicht einmal mehr einer Spitzenwissenschaftlerin einen britischen Orden gönnt?