Die SP preschte gestern wegen einer von der Süddeutschen Zeitung publizierten Geschichte über Credit-Suisse-Konten nach vorne.

Der Tages-Anzeiger übernahm die Geschichte und monierte dabei auch, Tamedia habe auf Recherchen verzichten müssen, weil Schweizer Journalisten ein Strafverfahren gedroht hätte, sofern sie geheime Kontodaten angefasst hätten.

SP-Co-Präsident Cédric Wermuth und andere Parteigrössen machen sich nun zum Anwalt der Tamedia-Journalisten: Die Genossen nennen dieses Aussen-vor-gelassen-Werden wegen des Bankengesetzes einen skandalösen Eingriff in die Pressefreiheit. Sie fordern eine Änderung des ominösen Gesetzes.

Vielleicht sollten sich die Genossen die Frage stellen: Haben angedrohte Strafverfahren je einmal Journalisten davon abgehalten, eine Story zu publizieren? Entweder hat man eine Geschichte, und dann macht man sie auf Biegen und Brechen publik. Oder man hat eben keine Geschichte.

Bei den jüngsten Credit-Suisse-Enthüllungen darf man Zweifel haben, ob sie der grosse Heuler sind. Viele der skandalisierten Fakten liegen Jahrzehnte zurück.

Komplett ausgeblendet wird, dass es gegenüber dem Ausland inzwischen kein Bankgeheimnis mehr gibt.

Aber offenbar ist der unter Wählerschwund leidenden SP für ein paar Minuten Medien-Ruhm jeder Rohrkrepierer recht.