So sicher wie das Amen in der Kirche kommt Ende Jahr die Zeit der Rückblicke – und derzeit die Zeit der Ausblicke und Prognosen. Im Zentrum steht selbstverständlich Covid-19.

Patrick Mathys vom BAG räumt zwar ein, dass sich die Zunahme-Geschwindigkeit der Fallzahlen «deutlich verlangsamt». Gleichzeitig spricht er aber von der «Ruhe vor dem Sturm» und weist dabei vor allem auf die Omikron-Variante hin. Alle drei bis vier Tage werde sich die Zahl der Neuinfektion verdoppeln. «Wir müssen uns auf eine Vielzahl neuer Erkrankter einstellten», so Mathys.

Deshalb empfiehlt das BAG die Auffrischungsimpfung nun bereits vier Monate nach der zweiten Impfdosis.

Nimmt man allerdings Nachhaltigkeit und Glaubwürdigkeit der bisherigen Krisenkommunikation zum Nennwert, stellt sich die Frage: Wie lange haben diese Aussagen Gültigkeit? Und welche Prognosen sind bisher wirklich eingetreten? Geht es um ehrliche Aufklärung? Oder vielleicht nicht doch darum, die Bevölkerung für ein «Impf-Abo» zu gewinnen?

Im kommunikativen Halbdunkel ist immerhin in der Neuen Zürcher Zeitung ein Lichtblick auszumachen. Die NZZ stützt sich auf Studien aus Südafrika, wonach sich die Omikron-Mutation zwar viel schneller verbreitet als die Delta-Variante – die Zahl der schweren Verläufe aber deutlich abnimmt. In der vergangenen Woche mussten in Südafrika 1,7 Prozent aller Infizierten hospitalisiert werden. Im vergleichbaren Zeitraum der dritten Welle Mitte 2021 hatte der entsprechende Wert noch bei 19 Prozent gelegen.

So könnte man diese Nachricht als Statement der vorweihnachtlichen Hoffnung betrachten. Vielleicht ist Omikron ja Teil der Lösung – und nur in zweiter Linie Teil des Problems. Und vielleicht ist das nächste Abo, das wir kaufen, ein Ski-Abo – und nicht ein «Impf-Abo».