Mit dem Entscheid, die EU-Sanktionen gegen Russland zu übernehmen, hat die Landesregierung das Neutralitätsprinzip, wie wir es bisher kannten, gespült.

Die Justizministerin führte bei dieser Gelegenheit noch eine Neuerung ein. Sie sagte vor dem Treffen mit den EU-Justiz- und -Innenministern und noch bevor der Bundesrat über die Sanktionen entschieden hatte, sie persönlich sei für schärfere Massnahmen.

Da stellt sich die Frage: Seit wann geben Bundesräte in der Öffentlichkeit ihre persönliche Meinung zu einem Geschäft des Bundesrates ab? Gilt das Kollegialitätsprinzip nicht mehr? Oder ist das jetzt der neue Stil im Bundesrat?

Man hat sich zwar daran gewöhnt, dass während der Corona-Krise sämtliche Anträge Bersets für den Bundesrat schon vor der Sitzung in erlesenen Medien publik wurden.

Aber dass eine Bundesrätin plötzlich für sich allein spricht, das gab es bisher nicht.

Scherereien muss sie deswegen nicht befürchten, zumal sie den Mainstream-Medien nach dem Mund redet. Höchstens Parteikollege und Bundespräsident Ignazio Cassis könnte allenfalls nicht erfreut gewesen sein, weil sie ihm bei der Verkündung der frohen Sanktions-Botschaft zuvorkam und demzufolge auch die Show stahl.