Im Krieg der Worte tönt er am lautesten: Britanniens Premier Boris Johnson. Er will die schärfsten Sanktionen gegen Russland, die meisten Waffen für die Ukraine.

Doch bei konkreter Hilfe bleibt er still. Kein Wunder. Sein Land hat gerade «um die fünfzig» ukrainische Flüchtlinge aufgenommen. Von 1,5 Millionen.

Derweil die EU auf Papierkram verzichtet, beharrt London auf online ausgefüllten Visa-Anträgen. Geht ja gut unterwegs auf dem Smartphone.

Dabei darf man keinen Fehler machen. Wie jene 150 Ukrainer, die es bis Calais geschafft hatten, aber nach Paris geschickt wurden, um auf der britischen Botschaft die richtigen Papiere zu besorgen.

Gleichzeitig behandelt man die Oligarchen im Land weiter mit Samthandschuhen. Denn nach dem Brexit lockerte man eilends die harten EU-Vorschriften für Sanktionen – den grosszügigen Geldgebern der Konservativen zuliebe.

Jetzt sollen die Gesetze geändert werden. Darüber abstimmen darf auch ein Lord Lebedev of Siberia im Oberhaus. Sein Vater ist ein ehemaliger KGB-Agent, der sich in die Upper Class eingekauft hat.

Wie charakterisierte doch der englische Dramatiker Alan Bennett seine Landsleute? «Englisch zu sein, heisst, ein Heuchler zu sein.»