In Sachen Machtpolitik muss man Brüssel ein Kompliment aussprechen. Mit dem Rauswurf der Schweiz aus dem Forschungsprogramm Horizon haben die EU-Bürokraten instinktsicher das schwächste Glied in der Schweizer Kette identifiziert.

Das schwächste Glied ist ETH-Präsident Joël Mesot. In der Neuen Zürcher Zeitung jammert der oberste ETH-Mann, dass einem vor Mitleid ganz schwindelig wird.

Die Schweizer Forschung sei «sehr stark betroffen», sie drohe «international den Anschluss zu verlieren». Es sei «unglücklich», dass Brüssel die Frage der Horizon-Teilnahme mit dem Rahmenabkommen politisch verknüpft habe, «um Druck aufzubauen». Es sei «nie eine gute Idee, die Wissenschaft als Geisel zu nehmen».

Zwar leide auch die Forschung in der EU unter dem Ausschluss der Schweiz, aber insgesamt lässt Mesot keinen Zweifel daran, dass seines Erachtens der helvetische Wissenschafts-Standort ohne die Europäische Union dem Untergang geweiht ist.

Die EU-Kommission wird die Äusserungen mit Freude zur Kenntnis nehmen: Volltreffer!

Für den Bundesrat hingegen sind die Einlassungen seines Angestellten Joël Mesot Gift. Wie will der Bundesrat glaubwürdig auftreten und sagen: Es geht auch ohne die EU! Gerade Mesots Auftritt zeigt, wie sehr die Schweizer Forscher-Gemeinde offenbar bereits in den Denkmustern der EU gefangen ist: gigantische Fördertöpfe, Forschung nach politischem Zeitgeist und entlang grandios-bürokratischer «Missionen», «Säulen» und «Frameworks».

Gefragt wäre ein selbstbewusster ETH-Präsident, der die Position der Schweiz nicht kleinredet. Wie können es unsere Forscher und Wissenschaftler anders und besser machen als die EU? Sicher nicht mit der schicksalsergebenen Ideenlosigkeit von Joël Mesot.