Man sollte in der Oper nicht unbedingt aufspringen, es sei denn, die Callas hat soeben ihre schönste Donizetti-Arie gesungen.

Aber aufstehen, das geht, zumal wenn es sich dabei um einen metaphorischen Ausdruck handelt, nämlich aufstehen im Sinne von «Widerstand leisten», «sich einsetzen», und zwar für grundgesetzlich garantierte Freiheiten.

Deshalb hat der bekannte Bariton Christian Gerharer eine Initiative dieses Namens gegründet, «Aufstehen für die Kunst», denn diese hat, samt ihren Tausenden von Beschäftigten, unter den rigiden und grossenteils sinnwidrigen und unverhältnismässigen Lockdown-Bedingungen zu leiden.

In der Münchner Staatsoper etwa sorgt eine leistungsstarke Lüftung dafür, dass alle neun Minuten die komplette Innenraum-Luft ausgetauscht wird.

In einem Interview mit Bayern 2 verwies Gerharer ebenfalls auf die drei elementaren Grundfreiheiten, die besonderen Verfassungsrang geniessen: die Freiheit der Meinung, der Religion und der Kunst. Dass der schwarze Sheriff Söder selbst das Singen in der Kirche untersagen möchte, gilt dem Bariton als besondere Absurdität – denn unter uns: Was ist den Protestanten nach der Reformation denn schliesslich noch geblieben als das Singen?

Auch den Einwand, den er von der Kultusministerin Baden-Württembergs hörte, dass nämlich erst die Wirtschaft gesichert werden müsse, dann käme die Kunst dran, mag er nicht gelten lassen. Es gibt Berechnungen, nach denen die Kunst mit rund neun Prozent erwirtschaftetem Bruttosozialprodukt in Teilen noch vor der Autoindustrie rangiert.

Wir also wünschen dem Bariton aus München und seiner Initiative: Gebt Gas!