Doris Leuthard ist nach wie vor davon überzeugt, als Bundesrätin alles richtig gemacht zu haben. Wenigstens steht sie dazu, dass ihre geplante frühzeitige UKW-Abschaltung ein Irrtum war. Sie hatte sich vor Jahren von ihren Leuten falsch beraten lassen.
In seiner Talkshow (heute Sonntag um 18 Uhr auf Blue Zoom) reibt Roger Schawinski der ehemaligen Uvek-Vorsteherin frühere Fehleinschätzungen unter die Nase. Leuthard war während ihrer Amtszeit unter anderem davon überzeugt, dass der Stromverbrauch nicht steigen würde.
Das pure Gegenteil ist der Fall. Schon in wenigen Jahren könnte es in der Schweiz zu einem grossen Strommangel kommen. Der Energiekonsum nimmt massiv zu. Dennoch findet die Alt-Bundesrätin den beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie richtig.
Von neuen Kraftwerken will sie nichts wissen. Leuthard: «Kernenergie ist eine Vergangenheits- und keine Zukunfstenergie. Wie wollen wir neue Kraftwerke bauen, wenn wir nicht einmal für den Abfall eine Lösung haben und das Problem vor uns herschieben.» Sie findet es «kreuzfalsch», dass die EU der Atomkraft ein grünes Label verpasst hat.
Die frühere Energieministerin: «Das ist ein Affront gegen alle Wissenschaftler!» Nicht ernst genommen werden kann Leuthards Aussage über den immer höheren Stromverbrauch durch E-Autos: «Wenn sich die Elektroautos nachts einspeisen und die Industrie vom Netz ist, kann das geregelt werden.»
Im Wärme- und Kochbereich macht Gas rund 16 Prozent des Schweizer Energiebedarfs aus. «Vor allem in Städten, die links-grün sind», schmunzelte die frühere CVP-Ministerin. Einen «Rückfall» auf Gas würde sie sehr bedauern: «Gas kann nicht unsere Zukunft sein!» Zuhanden der radikalen Umweltverbände sagt Leuthard allerdings: «Wenn alle Möglichkeiten vereitelt werden, die wir in der Schweiz haben, bleibt am Schluss nur Gas. Und dann sind wir erst recht wieder abhängig.»
Über Sanktionen gegen Russland meint sie spitz: «Es ist leider ein altes Thema, dass sich die Schweiz gerne versteckt.» Leuthard kritisiert den Bundesrat in diesem Zusammengang scharf. An den kurzen Auftritten der Bundesräte Ignazio Cassis und Guy Parmelin an der Medienkonferenz zu den Sanktionen ärgerte sie: «In solchen Krisen muss eine Regierung hinstehen und sich der Sache stellen. Chefs müssen Verantwortung übernehmen!»