In Medienportalen und Zeitungen kommt zunehmend das Wort Sterben vor. Es würden Leute sterben, weil sich andere nicht impfen lassen, sagt etwa der Chefarzt Infektiologie Christoph Fux vom Kantonsspital Aarau. Der Begriff Triage ist ebenfalls in Ausbreitung, forciert durch Blick und SRF. Das ist der Entscheidungsvorgang in Katastrophen, wenn Ärzte sagen müssen, welche Patienten sie behandeln und welche sie ihrem Schicksal überlassen, wenn die Kapazitäten zu knapp sind.

Einen Dramatik-Schub hat die SRF-Sendung «Arena» vom vergangenen Freitag ausgelöst, als Martin Balmer, Leiter der Intensivpflege im Kantonsspital Aarau, in einer Videozuschaltung die bedrohliche Lage schilderte und über die Furcht vor Triage-Entscheiden sprach. Medien brachten die Leidensbotschaft multipliziert ins Publikum.

Das Kantonsspital Aarau spielt eine wichtige Rolle in dieser Covid-Kommunikation. Balmer ist schon etliche Male mit Video-Auftritten, zum Teil aus der Intensivstation, im Fernsehen erschienen, in denen er die katastrophale Lage beklagte, mehrmals in der «Arena», auch in der Sendung «Eco».

Da kommt die Frage auf: Dürfen Spitalangestellte einfach so nach aussen gehen und über Probleme ihres Betriebs reden? Sergio Baumann, CEO ad interim des Kantonsspitals Aarau, sagt auf Anfrage, ja, Auftritte wie die von Fux und Balmer seien von der Spitalleitung genehmigt und würden von der Kommunikationsabteilung begleitet.

Momentan mache er sich als Chef eines sehr grossen Spitals echt Sorgen um die Mitarbeitenden. Gemäss Arbeitsgesetz hätten Vorgesetzte eine Fürsorgeverpflichtung, und dieser könne man zunehmend nicht mehr genügen. Dies die Sicht des Arbeitgebers.

Aber was bedeutet das für die Spitalbranche, wenn die Krankenhäuser in der Kommunikation zunehmend die Botschaft aussenden: «Wir können nicht mehr»? Kann sich ein grosser Zweig der Wirtschaft so etwas leisten? Das drückt doch auf die Stimmung in der ganzen Bevölkerung und bringt der Branche, die ja fürs Unterstützen eingerichtet wurde, einen Vertrauens- und Imageverlust. Und je mehr Aufmerksamkeit aufs Klagen gelenkt wird, desto weniger sucht man nach einer Stärkung des Gesundheitswesens.