Wer das Nato-Hauptquartier in Brüssel betritt, sieht an einer Wand das oben abgebildete künstlerische Porträt von Adolf Ogi in Riesenformat. Der einstige Architekt der Schweizer «Partnerschaft für den Frieden» mit der Nato fordert denn auch schweizerische Allianzen und Kooperationen mit den Nato-Staaten, die «künftig noch wichtiger werden».

Er tut dies im Ringier-Blatt Blick, Ogi seit je von Herzen zugetan, der SVP aber in unverbrüchlicher Feindschaft verbunden. Der Berner Oberländer macht sich Sorgen über Wahlverluste der SVP in Uster, Adliswil und Wädenswil. Sein Rezept ist nicht ganz neu: Ogi fordert neben der Nato-Annäherung von seiner Partei auch weniger Kritik am Bundesrat und eine «innigere Beziehung» zur EU, Unterstützung für die Sanktionen gegen Russland, mehr Solidarität mit der Ukraine, kein «Verstecken» hinter der Neutralität und mehr grüne Energiepolitik.

Die SVP solle sich fragen, so Ogi, «wo man im Tagesgeschäft Mehrheiten erzielen kann». Sein Rezept: Einfach die bisherigen Standpunkte verlassen und jene aller andern Parteien übernehmen. Und schon wäre die SVP wieder beliebt und mehrheitsfähig. Jedenfalls bei den Linken und der Mitte. Und bei den Medien erst recht. Aber welchen Grund hätten dann die Wähler noch, sich für die SVP zu entscheiden?

Adolf Ogi fordert einen Kurswechsel zur internationalistischen Ogi-Politik. Doch mit dieser würde die SVP noch immer bei 10 Prozent Stimmenanteil dümpeln. Genau wie Ogi heute den Wählerschwund bemängelt, hat er einst den Wählerzuwachs angeprangert. Es handle sich um «Flugsand der Unzufriedenen», urteilte Adolf Ogi 1998. Doch dieser angebliche «Flugsand» hat die SVP seit nunmehr 23 Jahren regelmässig zur wählerstärksten Partei gemacht. Und für Unzufriedenheit gibt es in unserem Land wahrlich noch immer den einen oder anderen Grund.