Vor einigen Tagen meldeten deutsche Medien, dass ein 17-jähriges Mädchen aus Berlin von einer Gruppe erwachsener Frauen und Männern verprügelt wurde. Grund soll gemäss Polizei ein fehlender Mund-Nase-Schutz gewesen sein.

Zwei Tage später meldete sich die betroffene 17-Jährige mit türkischen Wurzeln aus dem Krankenhaus. In einem zehnminütigen Video schildert sie den Vorfall, der sich ganz anders abgespielt haben soll, als es die ersten Versionen von Presse und Polizei vermuten lassen.

Grund für die Prügelattacke soll demnach kein fehlender Mund-Nase-Schutz gewesen sein, sondern Fremdenfeindlichkeit.

Die Polizei erklärt später, dass der Bericht von den Beamten zwar so weitergeleitet worden sei, die nun erfolgte Sichtung von Videomaterial sowie weitere Ermittlungen hätten jedoch gezeigt, dass das Opfer tatsächlich eine Gesichtsmaske getragen habe.

Fast noch spannender als die Frage, was nun wirklich passiert ist, sind die Reaktionen im Netz: Während die grosse Mehrheit bis zum Video der 17-Jährigen über den Vorfall schwieg, empört sich nun alles, was Rang und Namen hat.

Das heisst, wer aufgrund einer fehlenden Gesichtsmaske verprügelt wird, scheint – anders als Rassismus – für die wenigsten ein Problem darzustellen.

Das ist nicht nur bigott, sondern zeigt, dass das Empörungs-Barometer auf gewisse Impulse nahezu reflexartig ausschlägt, während andere Formen der Ausgrenzung im seichten Gewässer verebben.